Lernen in der Praxis: 16 Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schule Gewerbe und Technik Neuwied haben unlängst einen Praxistag bei QATM in der Materialographie absolviert. Die Gruppe setzte sich aus allen vier Ausbildungsjahrgängen des Berufsbilds Werkstoffprüfer zusammen.
Zum Auftakt erhielten die Schülerinnen und Schüler eine Vorstellung des Unternehmens, seiner Geschichte, der Einbindung in die Verder Gruppe und der bedienten Branchen. Es folgten ein Überblick über das Produktportfolio, eine Einführung in die Grundlagen der materialographischen Präparation sowie ein Rundgang durch die Fertigung mit Einblick in die Prozesse der einzelnen Abteilungen.
Kernstück des Tages war der Workshop Materialographie. Die Teilnehmenden arbeiteten in drei Gruppen, differenziert nach Ausbildungsstand:
- Trennen: automatisches Trennen verschiedener Werkstoffe (3. und 4. Lehrjahr), Trennen unterschiedlicher unlegierter Stähle (1. und 2. Lehrjahr)
- Einbetten: kalt, warm und UV
- Schleifen und Polieren: voll- und halbautomatisch (3. und 4. Lehrjahr), manuell an den untereutektoiden Stählen C8, C15 und C45 (1. und 2. Lehrjahr)
- Ätzen und Analysieren der selbst präparierten Proben am Mikroskop
Für die Schülerinnen und Schüler des ersten Lehrjahres wurden anhand der präparierten unlegierten Stähle die Grundlagen des Eisen-Kohlenstoff-Diagramms erarbeitet.
Eine Besonderheit: Finn Ole Hoke, selbst Schüler der BBS Neuwied und Auszubildender bei QATM, hat den Tag mit geplant und vorbereitet und eine der Gruppen eigenständig betreut. Er übernahm die Gruppe aus dem ersten und zweiten Lehrjahr, die bislang wenig Berührung mit der Metallographie hatte, und vermittelte das Thema Schritt für Schritt.
Unter seiner Anleitung trennten die Schülerinnen und Schüler die Proben aus C8, C15 und C45 mit manuellem Vorschub und betteten je eine Probe ein. Anschließend schliff und polierte jedes von drei Zweierteams einen der Stähle von Hand. Nach dem Ätzen analysierte die Gruppe die Proben gemeinsam am Mikroskop. Finn Ole Hoke erläuterte dabei, wie sich unterschiedliche Kohlenstoffgehalte auf Gefüge und Eigenschaften auswirken, und stellte durchgängig den Bezug zum Eisen-Kohlenstoff-Diagramm her. An einer induktiv gehärteten Stahlprobe zeigte er zudem die Gefügebestandteile, deren Entstehung und zentrale Kriterien der Qualitätssicherung.
Begleitet wurde der Tag von Laborleiter Parham Gaemagami und International Sales Managerin Tatjana Belinger.
Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Am stärksten gewirkt hat der Blick hinter die Kulissen. Zu sehen, mit welcher Sorgfalt genau die Maschinen entstehen, an denen viele der Schülerinnen und Schüler in ihren Ausbildungsbetrieben täglich arbeiten, war für die Gruppe etwas Besonderes – ebenso der Zustand der Labore, die eher an einen Showroom erinnerten als an den gewohnten Laboralltag.
Das eigentliche Highlight war jedoch das eigene Tun: an den neuesten Geräten selbst zu trennen, einzubetten, zu schleifen und zu polieren. Davon hätte es für die Schülerinnen und Schüler gern noch mehr sein dürfen.
„Alles in allem war es ein rundum gelungener Tag mit einer tollen Mischung aus Firmenvorstellung, Rundgang und praktischem Workshop“, fasste es auch Lehrer Marcus Sowinski zusammen. Auf das nächste Highlight brauchen die angehenden Werkstoffprüferinnen und -prüfer nicht lange warten: Am 4. und 5. November werden sie an der 17. Materialographie-Fachtagung „Quality 2026“ erneut bei QATM zu Gast sein.




