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Greifbare Erinnerungskultur

  • Posted on:  %PM, %15 %535 %2018 %12:%Nov
  • Written by  Katrin Klein

Wenn Geschichte und Erinnerungskultur greifbar werden

Berufsfachschule II der David-Roentgen-Schule Neuwied auf Lernfahrt nach Weimar

(Auf nach) Weimar - Kulturstadt Europas. Wirkungsstätte von Goethe und Schiller, Wiege der Weimarer Republik, Sitz der Bauhaus-Universität sowie der Hochschule für Musik Franz Liszt. Einst aber auch Hochburg der Nationalsozialisten, unweit des Konzentrationslagers Buchenwald. Eine geschichtsträchtige Stadt, spannend auf der einen, durch ihre Widersprüchlichkeit bizarr auf der anderen Seite. Das Gefühl, durch ein Museum zu laufen, lässt einen auch nach drei Tagen nicht los.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Kann Weimar das richtige Ziel für die Berufsfachschule II der David-Roentgen-Schule, eine Schule mit technischem Schwerpunkt, sein? Das richtige Ziel für 33 Jungen und drei Mädchen, die meisten zwischen 16 und 18 Jahren, mit typischen Problemen und Themen von Jugendlichen beschäftigt und gleichzeitig die Herausforderung im Nacken, den Realschulabschluss erfolgreich zu absolvieren?

Eine Parallele zu Weimar findet sich durchaus: Die Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler der beiden Klassen ist genauso bunt und vielfältig wie das Angebot in Weimar. Deutlich mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen hat einen Migrationshintergrund, zahlreiche Nationen sind vertreten. Das macht unser Vorhaben noch spannender, aber auch noch herausfordernder. Denn schon für deutsche Jugendliche ist die Zeit des Nationalsozialismus weit weg, von der Zeit der Weimarer Republik oder der Weimarer Klassik ganz zu schweigen. Noch schwieriger wird es für Jugendliche aus anderen Kulturkreisen, die erst in den letzten Jahren zu uns gekommen sind.

Doch die Erfahrungen der Kollegen aus den Fahrten in den vergangenen Jahren lassen einen klaren Schluss zu: "Weimar bietet als außerschulischer Lernort ein unglaubliches Potential zur Anknüpfung und Vernetzung der im Unterricht erworbenen Kompetenzen oder bereits mitgebrachter Kenntnisse.", sind Dr. Wolfgang Petkewitz und Michael Kremer, Lehrer für evangelische und katholische Religion, sich sicher. Ganz gezielt ist die Fahrt nach Weimar nicht nur als Ausflugsfahrt, sondern vor allem als Lernfahrt, als ein Lernen an einem anderen und zwar an dem Ort konzipiert, an dem sich im Unterricht theoretisch erarbeitete Inhalte erleben lassen. Involviert sind hier die Fachkolleginnen und Kollegen aus den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Religion/Ethik. Über zahlreiche Unterrichtsstunden wurde die Fahrt in den genannten Fächern vor- und später nachbereitet, beispielsweise im Sozialkundeunterricht mit der Frage nach Menschen- und Bürgerrechten, mit dem Nachdenken darüber, ob wir uns im Gewissen wirklich frei für das Gute entscheiden können in Religion/Ethik, bis hin zu meinungsbildenden Texten zum Thema Erinnerungskultur im Deutschunterricht.

Bei aller Vielfältigkeit in Weimar bleibt jedoch unstrittig: Die Gedenkstätte Buchenwald stößt auf das größte Interesse bei den Jugendlichen und hinterlässt mit Abstand am meisten Spuren und Nachdenklichkeit. „Buchenwald veranschaulicht die Unmenschlichkeit der Nazis sehr gut. Trotzdem bleiben die Taten für mich unvorstellbar. Besonders interessant war zu erfahren, wie die wahren Umstände bis zuletzt verleugnet wurden.“, fasst Merlin Börder, Schüler der Berufsfachschule II seine Eindrücke zusammen. Dank sehr schülernaher und empathischer Führungen von kompetenten Mitarbeitern der Gedenkstätte war die Bereitschaft der Jugendlichen im Anschluss groß, sich zwei weitere Stunden auf die umfangreiche Ausstellung auf dem Gelände einzulassen, offene Fragen selbstgesteuert zu beantworten und ihre Kenntnisse zu der nationalsozialistischen Diktatur zu erweitern. Das Gesehene macht auch die junge Generation noch sprachlos und moralische Appelle unnötig.

Der ganztägige Besuch in Buchenwald wurde in diesem Jahr ergänzt durch eine Stadtführung, im Rahmen derer Christian Eckert den Lernenden zielgruppenorientiert einen Überblick über Bauwerke und bedeutsamen Orte der Nazis in der Stadt Weimar selbst bot. Weiter standen eine Stadtrallye, ein Besuch der Sonderausstellung zur Weimarer Republik sowie erlebnispädagogisches Arbeiten in Gruppen mit den Kollegen Katrin Klein und Max Mielke auf dem Programm. Für die kommenden Jahre ist geplant, diese Arbeit zur Stärkung der Klassengemeinschaft und des Teamgedankens weiter zu intensivieren und damit ein konzentrierteres Arbeiten im schulischen Alltag zu ermöglichen.

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