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Holocaust-Zeitzeugin zu Gast an der DRS

  • Posted on:  %PM, %21 %727 %2018 %18:%Okt
  • Written by  Michael Kremer

„Die Welt soll sich erinnern, dass ein Verbrechen geschah.“

Kretz2Henriette Kretz, eine 84-jährige Zeitzeugin aus Antwerpen, zitiert aus einem Gedicht. Geschrieben wurde es von Georg Bander, der 1943 im Gefängnis in Sambor (Ukraine) zur Welt kam. Gewidmet ist es Henriette Kretz. Sie war ebenfalls dort als kleines Mädchen im Gefängnis. Was hatte sie verbrochen? Sie war Jüdin und sollte ermordet werden wie fast ihre gesamte Familie. Jahre später trifft Henriette Kretz diesen Georg Bander und kann ihm berichten, wie er dort von jüdischen Frauen gerettet und gepflegt worden war. Georg Bander war gerade auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter, die von den Nationalsozialisten ermordet worden war. Und Henriette Kretz besuchte zu dieser Zeit Sambor und andere Orte, wo sie als Kind gelebt und mit viel Glück überlebt hatte.
Das ist eine von mehreren unglaublichen Geschichten, die Henriette Kretz am 19. September in der David-Roentgen-Schule in Neuwied erzählte. Thomas Hennig von der Schulleitung begrüßte die agile ältere Dame, der es problemlos gelang, die über 200 Schüler in der Aula in Atem zu halten. Henriette Kretz gehört zur Vereinigung „Kinder des Holocaust“. Gekommen war sie mit Udo Winkler, dem Vorsitzenden des Vereins „Haus Israel“. Er organisiert Besuche mit Zeitzeugen in verschiedenen Schulen.
Henriette Kretz erzählt einerseits aus ihrem Leben, andererseits streut sie historisches Wissen ein, das vielen Schülern nicht bekannt ist. Zuerst wurden zum Beispiel Juden einfach nur massenhaft erschossen, sagt sie lakonisch. So auch in ihrer Heimatstadt Lemberg, 6000 Menschen an einem Tag. Jahre später fährt Henriette Kretz dorthin. Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten liegen hier unter der Erde. In einem kleinen Filmausschnitt sieht man sie erschüttert trauern und eine Kerze entzünden. Kurz vorher hatte sie den Schülern noch vergilbte Familienfotos gezeigt. Später, so die Historie, organisierten die Nazis den Mord durch das Gas, um Kugeln zu sparen und die Moral der Truppe nicht zu gefährden.
Die Eltern von Henriette Kretz waren Akademiker. Der Vater Mediziner und Spezialist für den Hals, die Nase und die Kehle, die Mutter Anwältin. Über das katholische Hausmädchen im damaligen Polen war Henriette gut vertraut mit dem Christlichen. Überhaupt erfuhr sie später Hilfe durch polnische Christen und landete ganz am Ende des Krieges in einem von Nonnen geführten Waisenhaus. Ihre Eltern waren schließlich doch noch von Deutschen erschossen worden, während sie im letzten Moment wegrennen konnte. Schwester Celina versteckte elf jüdische und drei Sinti- und Romakinder. In Krakau traf sie den einzigen Überlebenden ihrer Familie, Onkel Heinrich. Mit ihm wollte sie nach Kuba auswandern, blieb aber dann doch mit dem Onkel in der jüdischen Gemeinde in Antwerpen hängen.
Fast drei Stunden lauschten die Schüler der alten Dame. Polnische Schüler sprach sie dabei in polnischer und einen hebräisch-sprachigen Gast in hebräischer Sprache an. Ihr Schlussappell: „Ihr habt Verantwortung, dass sich das nicht wiederholt.“

 

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